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Frankfurter Mundart-Rezitations-Theater

» Exkurs: Friedrich Stoltze

Liebesbriefe

Liebeslied

Mein Kind, ich habe keinen Batzen,
Bin arm wie eine Kirchenmaus!
Doch Gott der Herr ernährt die Spatzen,
Und hilft wohl auch dem Dichter aus.

Man braucht so wenig für das Leben,
Die Liebe lebt ja halb vom Wind!
Was soll das eine Freude geben,
Wenn wir einmal verehlicht sind!

Und gibt's auch manchmal knappe Zeiten,
Was thut's? Wir schicken uns darein!
Dann soll ein treues Hungerleiden
Die Probe unsrer Liebe sein.

Meiner Frau Marie I

Seitdem du mich liebst und ich weiß es von dir,
Seitdem hab' ich wieder Respekt vor mir,
Ich steh' vor dem Spiegel und schnalz' mit der Zunge:
He, Fritzchen, du bist doch ein prächtiger Junge!

Seitdem ich ihr hab' in die Augen geseh'n,
Die Sprache der Sterne nun kann ich versteh'n;
Sie strahlen die Liebe vom Himmel herunter
Bis tief in den Abgrund der Hölle hinunter.

Seitdem du mich hast auf die Wangen geküßt,
Mir ist es, als hab' mich ein Engel gegrüßt,
Herniedergestiegen aus himmlichen Pforten;
Seitdem bin ein besserer Mensch ich geworden.

Meiner Frau Marie II

In Frankfurt, da weiß ich ein Gäßchen so klein,
Fünf Häuser in allem, die stehen darein,
Fünf Häuser in allem, kein einziges mehr,
Zwei rechts und zwei links und das andere quer.

Und über der Thüre, in Sandstein gehau'n,
Es ist da ein flammendes Herze zu schau'n,
"Halleluja Maria!" ist drüber gemetzt.
Wer hat uns im Voraus dies Denkmal gesetzt?

Vor'm Alter bin ich nie erschrocken

Vor'm Alter bin ich nie erschrocken
Und lachend trage ich sein Joch:
Sind auch erblaßt die goldnen Locken,
Die goldnen Lieder hab ich noch.

Noch glüht's im Herzen mir und Hirne,
Noch bin ich wie ein Gott so frei!
Noch geh' ich mit erhob'ner Stirne
An allen Königen vorbei.

Noch schwing ich hoch den vollen Humpen,
Humor! Noch bin ich Saus und Braus;
Ich lach' in ihren goldnen Lumpen
Den Crösus und den Cyrus aus.

Noch freu' ich mich am jungen Lenze
Und suche mir den grünsten Platz,
Noch bind' ich Sträuße, flechte Kränze
Und bring sie noch demselben Schatz!

Aktualisierung: 22.03.2014

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